Das Sabinische Wunder- kam, sah und flirtete

Unser Tag startete früher als der frühe Tag gestern. Um 7:15 mussten wir den Bus nehmen, um pünktlich bei der Papstaudienz anzukommen. Unsere Gruppe füllte den Bus so aus, dass andere Pilgergruppen, die näher am Petersdom wohnten, keine Chance mehr hatten rein zu kommen. Wir winkten ihnen im vorbeifahren mit unseren Wallfahrtsschals zu.
Angekommen am Petersdom rannte Tobi los, um sich einen Kaffee in der Kaffebud zu holen. Während zahllose Gruppen vorbei liefen warteten wir also. Und dann fiel unserem Diakon  Benedikt (der sich im Zug schon bestens mit seinen hauptamtlichen  Kollegen über theologische Fragen ausgetauscht hatte) noch ein, dass er Kaugummi brauchte, um es Sarah zu geben, die nicht lang genug Zähne geputzt hatte. Nach einer Stunde Einkäufen waren alle fertig für Francesco.
Vor dem Petersplatz erwartete uns eine lange Schlange derer, die genug gefrühstückt und Zähne geputzt hatten.
Wir stellten uns an. Schon in den Tagen davor hatte Sabine ein unerwartetes Talent dafür entwickelt in einer Sekunde am Ende der Gruppe zu sein und dann wie aus dem Nichts ganz vorne in der Gruppe aufzutauchen. Dies war am Vortag so außergewöhnlich gewesen, dass wir bereits eine Vision von Sabine hatten wie sie, die Köln-Fahne wehend vorweg lief und uns an den Schlangen vorbei auf den Platz führte.
Vorbei an der ersten Kontrolle geschah das Wunder. Sabine stand am Rand der Gruppe. Noch gefühlte 500 Menschen vor uns. Sabine schaute einen Sicherheitsbeamten an, er schaute zurück. Die Luft knisterte. Sabine zwinkerte und wurde herangerufen. „Group?“ „Yes sir!“ Und ein Seitentor wurde extra für uns geöffnet. Wir liefen winkend an den anderen Gruppen vorbei und fühlten uns wie der Papst so sehr wurden wir angestarrt. Sabine trugen wir ab da in einer Sänfte, um ihr huldigen zu können. Bei all dem Trubel um ihre Person vergaß sie leider ihre Nummer mit dem feschen Italiener in heißer Uniform zu tauschen. Nach unsere VIP-Behandlung wurde der Durchgang für das gemeine Volk wieder gesperrt.
Dank der Sonderbehandlung hatten wir optimale Plätze ganz vorne auf dem Petersplatz.
In der Vorbereitung auf die Audienz schrieben wir uns die Finger wund mit 215 Postkarten an unsere Sponsoren.
Der Papst fuhr mit seinem Papamobil ein und wir schwenkten unsere Köln-Fahne und schrien jedes mal, als wir als Kölner Wallfahrer genannt wurden, so laut, dass es bis zur Engelsburg und zurück schallte.
Nach der Audienz war die Gruppe zu schnell für die senilen Leiter. Obwohl diese nur versuchten  bei der Schweizer Garde nach einem Ort zur Entlehrung ihrer Blase zu fragen. Als wir wieder vereint waren, machten wir uns auf den Weg zum Pantheon. Auf dem Weg überfielen wir einen Pizza-Bürger-Laden. Chantal schaffte es in diesem Zusammenhang ihr weißes T-Shirt mit einem individuellen Pizzafleck zu verschönern.

Auf dem weiteren Weg trafen wir Michael Jackson. Das sehr echte Double wurde genauso gefeiert wie der Papst und entgegen den Willen einiger wurde der Ruf nach einem Selfie laut. Nach einem Eis in der Eisdiele mit 150 Sorten trennte sich unsere Gruppe- die Meinungen über die Anzahl zu besuchender Kirchen schien eine unüberbrückbare Diskrepanz darzustellen. Bis dahin war zwar an dem Tag noch keine Kirche besucht worden, aber die Zähne klapperten bereits vor Angst im Hinblick auf weitere Kirchenbesuche. So machte sich eine Gruppe auf zum shoppen- inklusive Kleidernotfall, weil die Wahl zwischen zwei Kleidern nicht leicht fallen wollte. Eine andere Gruppe verbrachte die meiste Zeit auf der spanischen Treppe und beobachtete unschuldige Passanten in der Hoffnung vielleicht doch eine Straftat aufklären zu können. Und die dritten gingen in eine Kirche.

Außerdem wurde unsere Köln-Fahne von Pater Tobi im Trevibrunnen getauft. Umringt von einer Schar neugieriger Touristen, die daraufhin mit heiligem Wasser der nassen Fahne gesprengt wurden. Und das irgendwie so mittelmäßig fanden.
Die Gruppe vereinte sich wieder an der spanischen Treppe. Eine Meuterei bahnte sich an, als die Teilnehmer entgegen der Ansage der Leiter nicht unten links, sondern oben rechts an der spanischen Treppe warteten.
Hinauf ging es. Chantal und Anika sangen leise vor sich hin Et Spanien Leed, aber niemand stimmte ein.

Sabine, Jan und Tobi beteten derweil den Rosenkranz- solange bis ihnen einfiel, dass sie vergessen hatten zu Prada zu gehen und mit Paulina wieder runter rannten. Dort angekommen viel ihnen dann aber doch auf, dass das Taschengeld zu wenig war.
Im Sonnenuntergang picknickten wir mit Blick über Rom. Espen und Anton verzweifelten an ihrer Aufgabe mit einem Laserpointer bis zum Petersdom zu leuchten. Dafür tranken sie dann aber den ganzen Eistee aus, sodass sich ein Klo-Notfall auf dem Rückweg anbahnte.
Mit Viva Colonia in der Metro verabschiedeten wir uns für heute von den Römern- denjenigen, die wir nervten, aber auch denen, die mitsangen, als Halleluja von Brings lief.

P.S. Sabine ist während der Papstaudienz aufgefallen, dass sie so alt ist, dass sie Espens Oma sein könnte.
P.P.S. Heute wurden Träume zerstört: Ins Pantheon kann es doch rein regnet.
P.P.P.S. Eine andere Gruppe aus unserem Haus ist heute morgen eine Stunde früher los gefahren als wir und kam erst nach uns auf dem Petersplatz an.
P.P.P.P.S. Danke, dass du bis hier gelesen hast!

(von den senilen Leitern)IMG-20181017-WA000920181017_18000320181017_124731-2Screenshot_20181017-225544IMG-20181017-WA0008

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3 Gedanken zu „Das Sabinische Wunder- kam, sah und flirtete

  1. Wir brauchen beim nächsten Mal nicht den Kamin der Sixtinischen Kapelle, denn spätestens seit heute ist klar: Die nächste Päpstin heißt Sabine. 😇Euch allen weiter viel Spaß – und vielen Dank für die ausführliche Schilderung eurer felsenfesten Erlebnisse!

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